Bitcoin & Altcoin-Steuer in Deutschland & Österreich: So werden Kryptowährungen steuerlich korrekt behandelt

Um kaum ein anderes Thema herrscht größere Unsicherheit als über die korrekte Abfuhr der Steuer auf Gewinne aus Bitcoin, Ethereum, Ripple, IOTA, EOS und anderen Kryptowährungen für Privatanleger. In Blogs, Foren und anderen Plattformen werden Theorien aufgestellt und Vermutungen geteilt. Aus diesem Grund möchten wir hier Klarheit schaffen und sehen uns die richtige Versteuerung für echte Kryptowährungen sowie auch für das Bitcoin-Trading in Deutschland & Österreich an, um eine ungewollte Steuerhinterziehung zu vermeiden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kryptowährungen werden aus Steuersicht aktuell nicht als Währung oder Finanzinstrument eingestuft, sondern als unkörperliches (digitales) Wirtschaftsgut.
  • Sowohl in Deutschland als auch Österreich gilt, dass Gewinne aus Bitcoin und anderen Coins nach über 1 Jahr Haltedauer steuerfrei sind. Diese werden bei der Steuererklärung in die Anlage "Sonstiges" eingetragen.
  • Bei Veräußerung unter der 1-Jahres-Haltefrist fällt Steuer in Höhe des persönlichen Einkommenssteuersatzes. Im Klartext: Zwischen 18-45% plus Soli.
  • Bei Veräußerung unter 1 Jahr Haltedauer: Es gibt in Deutschland einen Freibetrag von € 600,00 auf Gewinne bzw. sonstige Einnahmen pro Kalenderjahr, worunter auch Bitcoins & Altcoins fallen. In Österreich liegt dieser Betrag sogar bei € 730,00.
  • Verluste können mit Gewinnen gegenverrechnet werden. Der Gewinn errechnet sich, indem der Anschaffungspreis vom Veräußerungspreis abgezogen wird.

Deutschland: Das gilt aus Steuerlicher Sicht

Gesetzesgrundlage § 23 Einkommenssteuergesetz (EStG.)
Freibetrag Bis zu € 600,00 pro Kalenderjahr
Steuerfrei bei > 1 Jahr Haltedauer Ja
Steuern bei < 1 Jahr Haltedauer Persönlicher Steuersatz (18 - 45%)

Da Bitcoin & Co. nicht als Währung gilt, sondern im Endeffekt ein Stück Code ist, an dem man einen Anteil erwirbt, unterliegt dieser nicht der sogenannten Abgeltungssteuer.

Vielemehr wird das Ganze so behandelt, als würde man ein Haus oder einen anderen Wertgegenstand kaufen und dann wieder verkaufen. Und an diesem Punkt kommt die erfreuliche 1-Jahres-Regel zum Tragen. Diese besagt, dass Gewinne aus Geschäften dieser Art steuerfrei sind, sobald mehr als 1 Jahr zwischen Erwerb und Veräußerung liegt

Diese Regel wurde übrigens eingeführt, um Spekulation einzudämmen.

Positiv: Der 600 €-Freibetrag gilt auch für Bitcoin

Solltest du dich entscheiden, deine Bitcoins oder andere Kryptowährungen vor dem Ablauf von 12 Monaten zu verkaufen, muss dies nicht unbedingt bedeuten, dass Steuern anfallen. Es gibt für private Veräußerungsgeschäfte nämlich die 600 €-Grenze. Der Freibetrag besagt, dass alle Gewinne innerhalb eines Kalenderjahres (Januar – Dezember) bis 600,00 € steuerfrei sind. Bitcoin fällt ebenso darunter. 

Allerdings gibt es hier etwas zu beachten: Die 600,00 € gelten natürlich nicht ausschließlich für Kryptowährungen, sondern für alles, was man innerhalb des Jahres handelt.

Dazu zählt beispielsweise auch, wenn man am Flohmarkt eine wertvolle Vase für 300,00 € kauft, diese dann aber für 500,00 € veräußert. Die 200,00 € Gewinn werden der 600,00 €-Grenze abgezogen und somit blieben für Bitcoin nur mehr 400,00 € übrig.

Auch muss bedacht werden, dass man keinen Cent über die Freigrenze kommt, denn dann wird Steuer für den kompletten Gewinn aus dem Krypto-Handel fällig. Angenommen, der Bitcoin-Gewinn beträgt genau 1.000,00 €, so können davon nicht die 600,00 € abgezogen und nur für 400,00 € Steuer gezahlt werden. Der Gewinn dürfte also maximal 599,99 € betragen.

Steuerliche & Gewerberechtliche Behandlung von Mining & Cloud-Mining

Das Mining von zuhause als auch über Cloud-Mining-Pools von Kryptowährungen ist aus steuerlicher Sicht nicht ganz einfach.

Werden Coins als Hobby im privaten Bereich gemined, ist die Veräußerung der auf die Weise erworbenen Coins nicht steuerbar.

Nur das was als „Hobby“ bzw. „Liebhaberei“ eingestuft wird, ist sehr schnell erreicht und somit in fast allen Fällen steuerpflichtig. Da man sich so bereits im gewerblichen Bereich und somit steuer- sowie gewerbepflichtig, was ebenfalls eine Hürde für viele darstellt, da somit ein Gewerbe angemeldet werden muss.

Wie viel Steuer fällt bei Hard Forks an?

Diesbezüglich werden zwei Ansichten vertreten, die der Auslegung des Finanzamtes bzw. deines Steuerberaters unterliegen:

  • Da der geforkte Coin nicht entgeltlich von einem Dritten angeschafft worden ist, gehen manche Experten davon aus, dass dieser bei Verkauf steuerfrei ist.
  • Eine andere Sichtweise ist, dass der Ursprungscoin einmal angeschafft worden ist und daher auch der geforkte Coin dazugerechnet werden muss.

Wie du siehst, sind sich die Steuer-Experten hier noch sehr uneinig und es kann keine klare Vorgehensweise festgestellt werden. In diesem Fall musst du dich mit deinem Steuerberater absprechen und solltest seiner Empfehlung folgen.

Es wird kompliziert: First-In-First-Out und Last-In-First-out

Wenn du viel hin-und-her getradet hast und vorhast, einen Teil deiner Kryptowährungen zu verkaufen, stellt sich die Frage, welches Prinzip angewendet wird: FIFO oder LIFO? Oder anders ausgedrückt: Werden bei einem Teilverkauf des Portfolios die zuerst gekauften Coins evrkauft oder die letzten?

Um es kurz zu machen: Das FIFO (First-In-First-Out)-Prinzip ist in dem Fall zu empfehlen und auch die gängige Praxis. Dies gilt im Übrigen nicht nur für Bitcoins und andere Kryptowährungen sondern auch für Wertpapiere wie Aktien.

Dazu ein einfaches Beispiel: Du schaffst dir 1 Bitcoin am 01.01.2019 an und einen zweiten am 01.06.2019. Nun möchtest du am 01.02.2020 einen halben Bitcoin veräußern. Dieser wird von dem ersten Bitcoin abgezogen und ist somit steuerfrei.

Wichtig: Sobald du dich für eine der Methoden entschieden hast, musst du auch dabei bleiben. Du kannst also FIFO und LIPO nicht mischen.

Eine andere Vorgehensweise wäre die Last-In-First-Out (LIFO) sowie Highest-In-First-Out (HIFO)-Methode. Diese sind in diesem Fall allerdings kaum von Bedeutung und würden die Sache nur verkomplizieren.

Falle: Wann wird der Krypto-Handel als gewerblich eingestuft?

Nicht nur das Mining, sondern auch das normale kaufen & verkaufen von Bitcoin & Co. kann als gewerblich eingestuft werden. Die erste Frage, die diesbezüglich auftaucht ist natürlich: „Und ab wann genau gilt es als gewerlichkeit Tätigkeit?“. Dies ist, wie so Vieles, Auslegungssache.

Als gewerblich werden Dinge meistens eingestuft, sobald diese regelmäßig ausgeführt werden. Wenn du beispielsweise mehrmals täglich Kryptowährungen hin- und hertauschst oder mehrmals die Woche größere Summen handelst, ist die Chance hoch, dass das Finanzamt dies nicht mehr als privates Hobby einstuft.

Sollte dies der Fall sein, hat dies zur Konsequenz, dass die 1-Jahres-Regel nicht mehr zum Tragen kommt und in jedem Fall Einkommenssteuer abgeführt werden muss.

Sollte das ganze über eine Kapitalgesellschaft wie einer GmbH oder einer AG laufen, fällt die sogenannte Körperschaftssteuer an.

Steuer beim Bitcoin & Altcoin-Daytrading (CFDs)

Solltest du bei Bitcoin-Brokern Daytrading betreiben und es sich dabei um CFDs oder Zertifikate handeln, gelten steuerlich die gleichen Sätze wie beim Handel mit anderen Assets.

Das bedeutet im Klartext: Auf die Gewinne aus Trades fällt in Deutschland die sogenannte „Abgeltungssteuer“ von 25% an. In Österreich wird eine Kapitalerstragssteuer (KeSt) von 27,5% fällig.

Eine Spekulationsfrist von 1 Jahr wie bei echten Coins gibt es in dem Fall nicht.

Dokumentiere deinen Krypto-Handel

Führe am besten eine Excel-Tabelle mit allen deinen durchgeführten Trades. Halte zu diesem Zweck unbedingt folgende Punkte fest:

  • Das Datum der Anschaffung
  • Den Namen der Börse, an der du gekauft oder verkauft hast
  • Den Namen des Coins
  • Die exakte Menge
  • Den Anschaffungs- bzw.  Veräußerungspreis

Das Excel-Sheet dient vornehmlich deiner eigenen Übersicht. Abseits davon ist es besonders wichtig, dass du dir die entsprechenden Reports von den Börsen ziehst bzw. Screenshots machst, damit du Beweise in der Hand hast, sollte as Finanzamt eine genauere Prüfung durchführen.

Österreich: Die Krypto-Steuer im Alpenland

Gesetzesgrundlage § 27a Abs. 1 Einkommenssteuergesetz (EStG.)
Freibetrag Bis € 730,00 pro Kalenderjahr
Steuerfrei bei > 1 Jahr Haltedauer Ja
Steuern bei < 1 Jahr Haltedauer Persönlicher Steuersatz

In Österreich gibt es bei der Behandlung von Gewinnen aus Kryptowährungen nur minimale Abweichungen. Auch hier gilt erstmal, dass Gewinne nach mehr als 1 Jahr Haltedauer steuerfrei sind.

Einzig bei der Freigrenze gibt es Unterschiede und diese sind durchaus erfreulich: So können Gewinne in Höhe von ganzen 730,00 € steuerfrei in die Tasche wandern (wenn unter 1 Jahr Haltedauer verkauft wird, ansonsten sind die Kryptowährungen sowieso steuerfrei). Aber auch hier gilt, dass die 730,00 € auf alle Nebeneinkünfte bezogen sind und kein eigener Freibetrag nur für Kryptowährungen ist. Solltest du also beispielsweise durch eine Hilfsarbeit 400,00 € verdienen, bleiben für die steuerfreien Krypto-Gewinne nur mehr 330,00 € übrig.

Wer möchte, kann diese Informationen auch direkt beim BMF nachlesen.

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